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Hinter dem Ethereum Improvement Proposal mit der unscheinbaren Nummer 867 steckt ein Verbesserungsvorschlag, der die Gemeinschaft vor eine fundamentale Grundsatzentscheidung, im Umgang mit der dezentralen Technologie Blockchain, stellt.

Ethereum hat sich durch seine Beschaffenheit und die starke internationale Entwicklergemeinschaft mittlerweile schon in vielerlei Hinsicht als Vorreiter in der Anwendung und Weiterentwicklung von Blockchain herauskristallisiert. Das wahre Los eines Pioniers spiegelt sich allerdings nicht nur in der Bewertung des Währungsmittels oder dessen Marktwert, sondern drückt sich vor allem auch durch die Vielzahl an Herausforderungen und Probleme aus, die es mit der Beschreitung technologischen Neulands zu meistern gilt.

Mit wachsender Bekanntheit und steigenden Wert, nehmen auch Hackerangriffe auf schlecht gesicherte Konten zu. Ohne entsprechende Maßnahmen zur Sicherung des eigenen Portfolios lauern etliche Gefahren und Betrugsmaschen im Netz. Dazu kommen Softwarefehler, wie z.B. der Parity-Bug, die etliche Nutzern ihre Funds kosten können.

Die Ethereum Kern Entwickler fordern nun eine öffentliche Diskussion darüber, ob und was unternommen werden soll oder könnte, um Gelder zurückzuholen, die bei Hacks oder Software-Problemen verloren gegangen sind.

Auslöser dafür war ein Verbesserungsvorschlag im EIP-Repository, mit Namen EIP 867, aus Teilen der Community, die sich für eine Methode zur Rückerstattung von Geldern an potentielle Opfer einsetzen. Angeführt wird EIP 867 von Dan Phifer, dem Entwickler von Musiconomi, einem Startup, das im vergangenen Jahr eine beträchtliche Menge Ether beim Parity-Fund-Freeze verlor.

Gemäß Antrag zielt der Vorschlag darauf ab, “ein standardisiertes Mittel für sogenannte “Ethereum Recovery Proposals” (ERP) bereitzustellen, welches sich auf die Rückgewinnungsmöglichkeiten bestimmter Klassen von verlorenen Mitteln bezieht”. Anders gesagt, es soll ein Prozess eingeführt werden, der die Rückerstattung verloren gegangener Funds für Geschädigte erleichtern soll.

Das klingt grundsätzlich mal nicht schlecht. Allerdings erweist sich das Thema, bei näherer Betrachtung, als äußerst heikel, denn schon eine einseitig beschlossene Entscheidungen für nachträgliche und rückwirkende Änderungsmöglichkeiten an der Blockchain könnten den dezentralen Charakter und dessen Prinzip der Unveränderbarkeit substanziell gefährden.

Wenn überhaupt, sollten Entscheidungen zu Einflussmechanismen auf das System möglichst demokratisch von sämtlichen Anwendern getroffen werden können.

Ethereum Mitbegründer Vlad Zamfir meinte dazu:

“Diese Vorschläge, insbesondere Vorschläge, die wichtige Präzedenzfälle setzen, die sich auf die Beziehung zwischen der Gemeinschaft und der Plattform auswirken, müssen meines Erachtens Gegenstand einer öffentlichen Debatte sein, bei der ich nicht wirklich sicher bin, wie der EIP-Prozess gestaltet werden soll.”

EIP-Redakteur Yochi Hirai, sah sich im Zusammenhang mit dem von ihm zunächst blockierten Vorschlag und den damit verbundenen, mittlerweile 2 Wochen andauernden Diskussionen gar veranlasst von seiner Rolle zurückzutreten.

EIP 867 hat mehr ausgelöst als nur eine Diskussion über vielleicht fragwürdige Mechanismen zum Eingriff in dezentrale Systeme. Vielmehr fand Hirai sich in einer Situation wieder, die sich mit der Frage befasste, inwiefern sich schon die schlichte Existenz des Ethereum Improval Proposal- Forums gegen die Ethereum-Philosophie richte. Der spezielle Vorschlag, führte er aus, gab den EIP-Redakteuren eine unangemessene Macht, Einfluss darauf nehmen zu können, welche Mittel zurückerhalten werden können und welche nicht.

Seine Bedenken hinsichtlich Zentralisierung der Autorität und daraus gezogenen Konsequenzen kamen nicht unbegründet. Schließlich stellt die Ethereum-Philosophie fest, dass niemand als zentraler Knotenpunkt Einfluss auf Eingriffsmöglickeiten ins System nehmen darf.

In einer Erklärung sagte Hirai:

“Niemand hat die Befugnis, eine irreguläre staatliche Änderung vorzunehmen […] die im Falle eines Hardforks erforderlich wäre, um verlorene Gelder zurückzugeben, weil die Anwender keine vollumfängliche Genehmigung dafür haben. Nicht alle Benutzer von Ethereum haben die Genehmigung für diesen EIP-Prozess erteilt oder wissen darüber Bescheid. Der EIP-Prozess wird in den Lizenzen der User nicht erwähnt. Darüber hinaus werden EIP- Redakteure auch nicht demokratisch gewählt.”

Wir bleiben gespannt, wie das Thema nun weitergeht. Sollte EIP 867 bewilligt werden, wäre Ethereum das erste System, das den unveränderlichen Charakter von Blockchain nicht mehr als fundamentales Kriterium werten würde, selbst wenn dafür eine strukturierte, möglichst demokratische Vorgehensweise definiert werden soll.

 

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